Joseph Woelfl

Joesph-Woelfl-Haus Bonn

Das Woelfl-Haus in Bonn ist Sitz der Joseph-Woelfl-Gesellschaft Bonn e.V. Hier wird zu Joseph Woelfl geforscht. Im Woelfl-Saal findet an jedem ersten Sonntag im Monat ein Konzert aus der Reihe "Joseph Woelfl und..." statt, bei denen Werke von Woelfl und anderen klassischen Komponisten aufgeführt werden.

Ausbildung in Salzburg

Joseph Johann Baptist Woelfl wurde am 24. Dezember 1773 in Salzburg geboren. Bereits im Kindesalter erhielt Woelfl Violin- und Klavierunterricht bei Leopold, Nannerl und später W.A. Mozart und wurde im Hause der Mozarts wie ein Familienmitglied aufgenommen. Siebenjährig gab er in Salzburg sein erstes öffentliches Konzert als Violinsolist. 1783 kam Woelfl an das Kapellhaus des Salzburger Doms, wo neben Leopold Mozart und Michael Haydn eine Reihe hervorragender Musiker seine Lehrer waren. Von 1786-1788 studierte Woelfl an der Benediktineruniversität. Erhaltene Werke aus der Salzburger Zeit beweisen, dass er auch eine Kompositionsausbildung durchlaufen haben muss. 1790 erschien Woelfl in Wien bei W. A. Mozart als fertiger Pianist.

Warschau, Wien, Konzertreisen

Mozart empfahl den Freund dem Fürsten Michał Kleofas Ogiński in Warschau als Klavierlehrer. Zwei Jahre später etablierte sich Woelfl dort höchst erfolgreich als selbständiger Musiker. Die III. Polnische Teilung im Jahre 1795 zwang ihn zur Rückkehr nach Wien. Dort trat Woelfl als Pianist und Komponist von Opern, Klavier- und Kammermusikwerken an die Öffentlichkeit. Er erregte besondere Aufmerksamkeit, als er im Jahre 1798 auf einem Klavierwettbewerb L. v. Beethoven im virtuosen Klavierspiel und in der Improvisation, wie Zeitungsberichte belegen, auf den zweiten Platz verwies. Von 1799 bis 1801 unternahm Woelfl umfangreiche Konzertreisen durch die deutschen Musikzentren Dresden, Berlin, Leipzig, Hamburg, u.a., Zahlreichen Kritiken in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ belegen seinen Erfolg. Auf ein Empfehlungsschreiben von Konstanze Mozart hin wurde in dieser Zeit Breitkopf und Härtel der Hauptverleger seiner Werke.

Paris

Als Woelfl 1801 in Paris eintraf, wurde er vom Journal de Paris bereits als „le fameux Wolff, l’un des hommes les plus étonnants de l’Europe, sur le piano“ begrüßt. Hier setzte er sich an die Spitze des Konzertlebens und trat sowohl als Pianist wie als Komponist von Opern, Orchester- und Kammermusikwerken hervor.

London

1805 begab sich Woelfl nach London.  Dort wetteiferten  die Konzertveranstalter darum, ihn für ihre Veranstaltungen zu gewinnen. Als Komponist wurden ihm ehrenvollste Aufträge zuteil. Nach drei Jahren galt Woelfl als bedeutendster Musiker der Stadt und erzielte Einkünfte, die jene von J. Haydn, W. A. Mozart und L. v. Beethoven zusammengenommen überstiegen. Er ließ sich im Londoner Nobelvorort Marylebone nieder. Hier entstand der Hauptteil seiner Werke, die alle Sparten der Musik berücksichtigen. Am 21. Mai 1812 verstarb Woelfl nach kurzer Krankheit hoch angesehen und begütert in seinem Haus. Sein früher Tod war der Preis für seine nebeneinander intensiv verfolgten Karrieren als Pianist, Komponist, Klavier- und Kompositionslehrer. In einem Nachruf wurde festgestellt, dass wohl in keinem englischen Haushalt auf dem Klavier ein Werk Woelfls fehle.

Posthum

Nach seinem Tod nahmen sich zahlreiche Verleger seiner Werke an und publizierten sie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. In der britischen Musikgeschichte nimmt Joseph Woelfl als Begründer der Englischen Pianistenschule und Wegbereiter des Klassizismus eine bedeutende Rolle ein. In der Geschichte der Klaviermusik des 19. Jahrhunderts gilt er als wichtiges Vorbild für Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Liszt. Weitere Einzelheiten seines Lebenslaufs finden sich in: Haider-Dechant, Margit: „Joseph Woelfl. Verzeichnis seiner Werke“

Joseph Woelfl war ein umfangreich ausgebildeter Musiker, wie sich an seinem vielseitigen Werk ablesen lässt. Als Klaviervirtuose kannte er alle Möglichkeiten des Instruments und entwickelte noch neue dazu, wie etwa eine fortschreitende Emanzipation der Partie der linken Hand am Klavier und dem heute noch in England geläufigen „Woelfl-Jump.“ Seine profunde geigerische Ausbildung bei Leopold Mozart verschaffte ihm Zugang zur Kammermusik mit Streichern. Nicht selten sind darin in den Violinstimmen besondere Effekte wie Glissando und Ricochet sowie Fingersätze notiert. Im Salzburger Kapellhaus erhielt er Gesangsunterricht und gehörte dem Domchor an. Dies kam den Vokalpartien in seiner Kirchenmusik ebenso zugute, wie in den Bühnenwerken und Liedern. Die Verpflichtung des 13Jährigen durch Leopold Mozart, als Continuospieler bei örtlichen Opernaufführungen mitzuwirken, verschaffte ihm frühzeitig Einblicke in die Praxis des Musiktheaters.

Obwohl Woelfl seine Ausbildung hauptsächlich von der Mozart-Familie empfing, knüpfte er in seinen Kompositionen (ähnlich wie L. v. Beethoven) an J. Haydn an. Dies äußert sich vor allem in seinen Symphonien und Streichquartetten. Wohingegen er in seinen Bühnen- und Klavierwerken bereits Entwicklungen aus Italien, Frankreich und England verarbeitete.  Sein Personalstil ist zudem von einer lebenslangen Verehrung für J. S. Bach geprägt. Dies schlägt sich in der Forderung nieder, dass seine Schüler (so wie er selbst) fähig sein müssten, das gesamte „Wohltemperierte Klavier“ jederzeit auswendig vorzutragen. In zahlreichen Rezensionen der Allgemeinen musikalischen Zeitung wurde immer wieder der „gearbeitete“ (= kontrapunktische) Satz seiner Kompositionen lobend hervorgehoben.

Mit seiner Übersiedlung nach England war ein Wechsel der Stilhaltung verbunden. Woelfl musste nun für ein primär bürgerliches Publikum schreiben. Das Ergebnis war eine Anbahnung des Musikalischen Klassizismus, der von seinen  Nachfolgern aufgenommen und zur Blüte gebracht wurde. Vor allen ist hier Felix Mendelssohn Bartholdy zu nennen, der neunjährig seine Karriere als Pianist mit einem Werk Woelfls begann.

Als Kompositionslehrer ging Woelfl streng didaktisch vor. Charles Neate (1784-1877), Mitbegründer der Philharmonic Society London, war sein Schüler und berichte, dass Woelfl der erste Lehrer in England war, der in seinem Unterricht die Formenlehre behandelte.

Im Wien des ausgehenden 18. Jahrhunderts herrschte kein Mangel an qualifizierten Pianisten: Neben W. A. Mozart und L. v. Beethoven seien hier stellvertretend für viele L. Koželuch, J. N. Hummel, J. L. Dussek und J. Eberl genannt.

Als Woelfl 1795 nach Wien kam, wurde er aufgrund der Klarheit seines Anschlags und seiner brillanten Lauftechnik sofort als Mozart-Schüler erkannt. Begünstig durch eine enorme Spannweite seiner Hände (Tredezime) spielte er Akkorde in weiter Lage,  und steuerte Terzen- und Oktavpassagen bei. Darüber hinaus entwickelte er eigenständig eine neuartige Sprungtechnik (sog. „Woelfl Jump“, siehe „Woelfl als Komponist“). Sie führt geradewegs zu Franz Liszts Etüde „La Campanella“. Aber auch auf dem Felde der damals noch als Haupt-Kategorie gepflegten Improvisation wusste sich Woelfl zu behaupten, wie der Wettstreit mit Beethoven belegt (siehe Art. Biographie).

In den deutschen Musikzentren, in Paris und London wurde er als einer der führenden Pianisten seiner Zeit verehrt. In der Geschichte der Klaviermusik des 19. Jahrhunderts gilt er als wichtiges Vorbild für Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Liszt. Beide haben nachweislich Woelfls Klaviermusik gekannt. In der britischen Musikgeschichte nimmt Woelfl als Begründer der Englischen Pianistenschule eine besondere Rolle ein. Ph. Cipriani H. Potter (1792-1871) wurde frühzeitig sein Schüler, blieb bei ihm fünf Jahre und hat nach eigenen Angaben alles, was er konnte, bei Woelfl gelernt. Er wurde 1822 Professor an der Royal Academy of Music und ab 1832 ihr Direktor, wo er unzählige englische Pianisten nach den Vorgaben Woelfls ausgebildet hat.

Die von Woelfl verfasste „Méthode de Pianoforte“ Op. 56 zeigt ihn als konsequenten Pädagogen, der seine Schüler didaktisch zum virtuosen Klavierspiel führte.

 

Die Musikwissenschaftlerin Prof. Margit Haider-Dechant legte anlässlich ihrer Dissertation  das Werkverzeichnis über das Schaffen von Joseph Woelfl vor. Dieses enthält alle bis dato bekannten und in den unterschiedlichen Bibliotheken Europas und den USA auffindbaren Werke per Stand August 2011. Die Werke wurden in ein durch Ordnungszahlen systematisiertes Verzeichnis gebracht.  Dieses erschien Ende 2011 unter dem Titel:

Haider-Dechant, Margit: Joseph Woelfl. Verzeichnis seiner Werke
ISBN 978-3-945567-05-0

Insgesamt wurden im Werkverzeichnis 618 Werke Woelfls in den unterschiedlichen Gattungen erfasst. Inzwischen konnten 12 weitere Werke ausfindig gemacht werden, darunter ein Klarinettenkonzert aus dem Jahre 1796.

Überblick

2 Kirchenmusiken

7 Opern

Lieder

4 Ballette

10 Symphonien

3 Overtüren

Tänze für Orchester

10 Klavierkonzerte

Doppelkonzert für Violine und Klavier

Klarinettenkonzert

3 Streichquintette

22 Streichquartette

29 Klaviertrios

3 Duos für Harfe und Klavier

32 Violinsonaten

16 Flötensonaten

Cellosonate

Walzer für Klavier und Tamburin

12 Harmoniemusiken

2 Bläserquintette

2 Quartette für vier Flöten

2 Bläsertrios

62 Klaviersonaten

20 Variationen für Klavier

50 Klavieretüden

48 Preludes für Klavier

24 Walzer für Klavier

Verschiedene Solostücke für Klavier

Kompositionen für Klavier zu vier Händen

Kompositionen für zwei Klaviere zu vier Händen

Verschiedene Bearbeitungen für Klavier