Komponist

Joseph Woelfl war ein umfangreich ausgebildeter Musiker, wie sich an seinem vielseitigen Werk ablesen lässt. Als Klaviervirtuose kannte er alle Möglichkeiten des Instruments und entwickelte noch neue dazu, wie etwa eine fortschreitende Emanzipation der Partie der linken Hand am Klavier und dem heute noch in England geläufigen „Woelfl-Jump.“ Seine profunde geigerische Ausbildung bei Leopold Mozart verschaffte ihm Zugang zur Kammermusik mit Streichern. Nicht selten sind darin in den Violinstimmen besondere Effekte wie Glissando und Ricochet sowie Fingersätze notiert. Im Salzburger Kapellhaus erhielt er Gesangsunterricht und gehörte dem Domchor an. Dies kam den Vokalpartien in seiner Kirchenmusik ebenso zugute, wie in den Bühnenwerken und Liedern. Die Verpflichtung des 13Jährigen durch Leopold Mozart, als Continuospieler bei örtlichen Opernaufführungen mitzuwirken, verschaffte ihm frühzeitig Einblicke in die Praxis des Musiktheaters.

Obwohl Woelfl seine Ausbildung hauptsächlich von der Mozart-Familie empfing, knüpfte er in seinen Kompositionen (ähnlich wie L. v. Beethoven) an J. Haydn an. Dies äußert sich vor allem in seinen Symphonien und Streichquartetten. Wohingegen er in seinen Bühnen- und Klavierwerken bereits Entwicklungen aus Italien, Frankreich und England verarbeitete.  Sein Personalstil ist zudem von einer lebenslangen Verehrung für J. S. Bach geprägt. Dies schlägt sich in der Forderung nieder, dass seine Schüler (so wie er selbst) fähig sein müssten, das gesamte „Wohltemperierte Klavier“ jederzeit auswendig vorzutragen. In zahlreichen Rezensionen der Allgemeinen musikalischen Zeitung wurde immer wieder der „gearbeitete“ (= kontrapunktische) Satz seiner Kompositionen lobend hervorgehoben.

Mit seiner Übersiedlung nach England war ein Wechsel der Stilhaltung verbunden. Woelfl musste nun für ein primär bürgerliches Publikum schreiben. Das Ergebnis war eine Anbahnung des Musikalischen Klassizismus, der von seinen  Nachfolgern aufgenommen und zur Blüte gebracht wurde. Vor allen ist hier Felix Mendelssohn Bartholdy zu nennen, der neunjährig seine Karriere als Pianist mit einem Werk Woelfls begann.

Als Kompositionslehrer ging Woelfl streng didaktisch vor. Charles Neate (1784-1877), Mitbegründer der Philharmonic Society London, war sein Schüler und berichte, dass Woelfl der erste Lehrer in England war, der in seinem Unterricht die Formenlehre behandelte.